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Gnip - Zentralbahnhof oder Universal-Übersetzer fürs Web2.0?

Gnip, schon ein komischer Name, aber es ist ja eigentlich nur Ping auf Rückwärts. So nun ist es verraten. Und Ping ist ja sowohl ein bekanntes Unix-Programm, als auch ein Service für Blogs und nicht zuletzt ist Ping das berühmte U-Boot Ortungssignal, das man aus jedem besseren U-Boot-Film kennt (ich sag nur Roter Oktober).

Gnip läuft nicht unter der Domain gnip.com sondern unter gnipcentral.com. Und Gnip hat sich viel vorgenommen. Gnip soll künftig als Brücke zwischen unterschiedlichen Protokollen dienen um die Daten Portabilität zu verbessern. Wenn ich dabei sage, dass sich Gnip viel vorgenommen hat, dann hab ich im Hinterkopf die Probleme, mit denen Twitter schon seit längerem zu kämpfen hat. Twitter stellt eine Zentrale für die Verteilung von Nachrichten dar. Dabei fällt es mit der steigenden Zahl von Nutzern und Followern, Twitter immer schwerer die Verteilung zu schaffen. Neben der Homepage versorgt Twitter auch Clients und Webseiten, die die Nachrichten aufbereiten.

Dass Twitter dabei an seine Grenzen gerät liegt unter anderem daran, dass Twitter nicht auf das Wachstum ausgerichtet war, sondern als kleine Anwendung nebenher entstanden ist. Twitter zu implementieren ist nicht sonderlich schwierig, wie man an den ganzen Klonen sehen konnte. Allerdings eine skalierbare Version zu bauen, ist deutlich anspruchsvoller, als Viele wahr haben wollen. Dazu habe ich vor einigen Tagen bereits auf meinem privaten Blog schon einiges geschrieben.

Gnip will nun eine ganze Reihe von Protokollen, unter anderem RSS, ATOM, XMPP, REST und Comet verarbeitet und laut FAQ innerhalb von 60 Sekunden an die Nachrichtenempfänger weiter verteilen. Dabei ist die reine Aufgabe nicht wirklich schwierig - ähnlich wie das ja auch bei Twitter der Fall ist. Allerdings steht und fällt der Erfolg einer derartigen Plattform mit der Zuverlässigkeit und Geschwindigkeit, mit der der Dienst zur Verfügung steht.

Gnip stellt dazu eine API, derzeit in der Version 1.1, bereit, die neben dem Account der Einstieg in den Dienst ist. Gnip soll in mehreren Stufen bereit gestellt werden. Die erste Stufe ist dabei heute in Betrieb gegangen. Genaues lässt sich dazu auch in der FAQ nachlesen.

Ab sofort der erste Teil zur Verfügung. Es soll nicht länger notwendig sein, dass man bekannte Dienste wie Flickr, Digg, del.icio.us, SixApart und MyBlogLog ständig fragen muss, ob neue Daten vorhanden sind. Also die typische Aufgabe, die normalerweise ein Client übernimmt. Beste Beispiele dafür sind RSS-Reader oder Twitter-Clients, die die ständigen Abfragen übernehmen, aber dadurch natürlich auch Traffic erzeugen und in den seltensten Fällen erfolgreich sind, da ja nicht jede Minute ein Update bei Flickr oder anderen Diensten mit neuen Daten bereitsteht. Statt der Clients können aber sogenannten Consumer-Dienste, wie etwa Plaxo, MyBlogLog und Lijit sowie Spokeo sich von Gnip informieren lassen, ob neue Informationen vorhanden sind.

Gnip hat aber noch mehr vor, denn die Gnip Notifications sind der erste Teil, der gestern online gegangen ist. Weitere Dienstleistungen sollen in Kürze folgen. Zunächst das Gnip Polling, das die API eines Dienstes übernehmen kann und die Daten in unterschiedlichen Protokollen ausliefern kann (REST, ATOM, XMPP). Klingt ein wenig wie FeedBurner, ist aber nicht nur beschränkt auf RSS-Feeds.

Gnip Transformations übernehmen die Konvertierung unterschiedlicher XML Markups und bieten damit eine API Integration an, die an Plug-and-Play erinnern soll.

Und Gnip Identification, die sich um den Bereich Identification und Erkennung kümmern soll.

Gnip startet zunächst mit 15 Partnern (Ask500people, Digg, Disqus, Flickr, GetSatisfaction, iminta, intense debate, Lijit, MyBlogLog, Plaxo, Six Apart, socialthing!, spokeo und urban). Durch die offene API werden dazu sicherlich bald noch weitere Partner kommen. Was man aber vermisst ist Twitter. Denn gerade Twitter könnte von den Diensten von Gnip sehr profitieren. Andererseits ist dann natürlich fraglich, was Twitter überhaupt noch aus macht, wenn wichtige Funktionalitäten ausgelagert werden. Gnip wurde von Eric Marcoullier gegründet, der auch Co-Founder bei MyBlogLog war, das er für 10 Millionen Dollar an Yahoo! verkaufen könnte. Nicht umsonst sind wohl einige Dienste von Yahoo! bei dem Launch vom 1. Juli bereits mit dabei.  Gnip wurde von Pivotal Labs umgestellt, die derzeit auf bei Twitter am Werkeln sind, um die Baustellen aufzuräumen und Twitter stabiler zu machen.

Gnip will also die Grundlage bilden um den Austausch von Web2.0 Formaten wie RSS, ATOM, REST-Interfaces und XMPP zu vereinheitlichen. Dabei wird das Paradigma von Pull nach Push umgedreht und die Erstellung eine API für vorhandene und kommende Web2.0 Dienste erleichtert und standardisiert. Es wird also sehr spannend werden, wie Gnip es schafft bei Datenaufkommen einen zuverlässigen Dienst auf die Beine zu stellen, der verlässlich für die nutzendenen Dienste ist. Denn sollte Gnip ausfallen, hätte das wohl ziemlich verheerende Folgen zumindest für alle Dienste die sich voll darauf verlassen und keine eigenen Alternativen dafür bereitstellen.

Weitere Quellen:

techCrunchIT, Ankündigung im März auf techCrunch, Gnip und Twitter, Gnipper im Interview, direkter Link zum Interview (MP3), Gnip - Nachrichtenzentrale für das soziale Web


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Reader Comments:

  1. 1 RSS-Blogger wieder aktiviert :: hirschgarden meinte
    Juli 2nd, 2008:

    [...] den Postings, die hier erscheinen, wird auch der RSS-Blogger wieder aktiviert. Heute ist der erste Beitrag über Gnip erschienen, der sich mit dem neuen zentralen Dienst-Anbieter für Web2.0 [...]

  2. 2 links for 2008-07-03 - Oliver Gassner meinte
    Juli 3rd, 2008:

    [...] Gnip - Zentralbahnhof oder Universal-Übersetzer fürs Web2.0? :: RSS Blogger Siegfried Hirsch erklärt Gnip. (tags: gnip api xlm web 2.0 via:mento.info) [...]

  3. 3 Die Idee eines Social Media Index | TQUWiki meinte
    Juli 3rd, 2008:

    [...] Mashable, ReadWriteWeb, RSS Blogger, [...]

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